Das war die re:publica 2018

Das war die re:publica 2018
Nach drei Tagen hat die 12. Ausgabe der re:publica in Berlin – eine der weltweit wichtigsten Konferenzen zu Themen der digitalen Gesellschaft – ihre Pforten geschlossen. Wir haben für euch einen Überblick der spannendsten Trends, größten Hypes und wichtigsten Topics zusammengetragen.

Medien Trends 2018

Sind Podcasts wirklich die Zukunft? Was passiert, wenn auf Facebook die Reichweite immer weiter nach unten geht? Wie unterscheidet Alexa Fake-News von Satire? 

Hier sind die Top 10 Medien Trends für 2018 und beyond: 

- Hören-hören-hören – die große Podcast-Welle ist noch nicht vorüber. Google arbeitet derzeit an einer Integration von Podcasts in ihre Suche, was weitergedacht dann auch SEO optimierten Podcast-Inhalt bedeuten wird. 

- Alexa und Siri als persönliche Assistenten sind erst im Anfangsstadium und werden nach einer anfänglichen Anwendungsskepsis unseren Alltag noch viel weiter durchsetzen. 

- Jodel als aufstrebendes Netzwerk im deutschsprachigen Raum hebt sich durch seine rein auf lokale Verbindungen zwischen den Usern aufgebauten Vernetzungen von anderen Social Media-Plattformen ab.

- Facebook-Gruppen, eigentlich ein schon lange etabliertes Format, werden nun in Zeiten immer geringerer organischer Reichweiten auch von Facebook als Next Big Thing in Sachen engagement promotet. Hier bietet sich für Marken vor allem die Möglichkeit an, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen und ihnen zuzuhören. 

Alles ist Satire! Die Medienmarken, die derzeit das größte Nutzervertrauen genießen, haben mit Satire zu tun (z.B. Das Positillion) – gerade in Zeiten von Fake News eine interessante Entwicklung.

Für alle die schon mit dem Verständnis von Snapchat Probleme hatten, rollt mit Musical.ly schon die nächste Plattform für eine ausdrücklich junge Zielgruppe an. 

Warum feiern Newsletter gerade ihr Revival? Weil es im besten Fall persönliche Empfehlungen von echten Menschen sind und keine Algorithmen, die für uns filtern. In Form der derzeit beliebten journalistischen Wochenrückblicke stellt es in einer so schnelllebigen Zeit schon ein fast entschleunigtes Retro-Medium dar. Aus Content-Sicht ist jedoch problematisch, dass die Inhalte oft nicht über Suchmaschinen auffindbar sind. 

Auf Instagram ist die Welt derzeit noch in Ordnung, aber auch diese Plattform wird den Weg allen Facebooks gehen. Likebait, gekaufte Follower und ein Stream voller Influencer schaden schon jetzt der Experience. Für Unternehmen wird die jetzt noch vergleichsweise üppige Reichweite auch empfindlich zurückgehen und sich auf dem Niveau von Facebook einpendeln. 

Stories als Format haben eine deutlich niedrigere Schwelle als Postings, was ihren derzeitigen Erfolg erklärt. Auch hier hat aber mittlerweile eine starke Professionalisierung eingesetzt was Storytelling, Storyarc und Produktion betrifft.

YouTube and Facebook gone wild! – Algorithmen und die damit einhergehenden Feedback-Loops bestimmen die Sichtbarkeit von Content auf Facebook und Youtube. Daraus ergeben sich sowohl für die Plattformen selbst als auch für die Produzenten sowie das Publikum viele Probleme und Herausforderungen. Indem sie auf Engagement oder Verweildauer optimieren, beeinflussen sie nicht nur die Nutzer, sondern auch die Produzenten, die ihre Inhalte immer genauer an die Plattform-Vorgaben anpassen und somit ein 'race to the bottom' einläuten.  

Die Republica 2018

High Intentional Micromoments are the real deal!

Aufmerksamkeit wird in der heutigen Zeit ein immer rareres Gut. Wie soll man hier als Medienmacher und Publisher noch zur Zielgruppe durchdringen? 

Das Geheimnis sind hier sogenannte High Intentional Micromoments. In diesen gilt es den Nutzer mit dem passenden Content anzusprechen und abzuholen. Der Nutzer muss sich aktiv für den Inhalt entschieden haben. Der Content selbst muss snackable, also leicht verdaulich sein, und in ein knappes Zeitfenster passen, sollte aber gleichzeitig fachlich fundiert sein. Weiters muss das Nutzungsformat flexibel sein und den Sprung über verschiedene Nutzungssituationen, Medienarten und Devices ermöglichen.

Content muss snackable sein!

Livestreams, die Home-Party des Internets

Livestreams bleiben auch 2018 weiter im Trend. Doch wie sieht er der perfekte Livestream aus? 

Herzstück ist die Interaktion mit dem Zuseher. Livestreams muss man sich wie eine Party vorstellen, die Gäste kommen nicht gleichzeitig und sind schnell gelangweilt. Daher ist es wichtig die User abzuholen, regelmäßig einzubinden und zu unterhalten. Wichtige Elemente dabei sind u.a. ein visueller Thumbshockeram Beginn des Videos, ein klarer und jederzeit verfolgbarer Erzählbogen sowie vertraute Konzepte und ein regelmäßiger Rhythmus, auf den sich die Community einstellen kann. Für die Produzenten ist anschließende Analyse und konstruktiver Umgang mit User-Kritik unumgänglich, denn am Ende entscheiden die Konsumenten über den Erfolg des Formats.

Wie findet man im Digitalen seine Stimme?

Reichweite im Internet wird mittlerweile von wenigen großen Plattformen und Celebreties verteilt und verwaltet. Influencer entscheiden, wie die Geschichte einer Marke am besten zu ihrem Publikum passt. Die Plattformen definieren, wie Inhalte aufbereitet und dargestellt werden und schaffen das Umfeld, in dem sie stattfinden.

Nutzer sehnen sich auch im Web nach Bekanntem und Anschluss, was starken Medienmarken dabei hilft durch ihre Bekanntheit und Akzeptanz auch im Digitalen zu einer Institution zu werden. Dasselbe gilt für starke Persönlichkeiten und bekannte Formate.

Die Republica 2018

Künstliche Intelligenz und die Zukunft des Marketings

Künstliche Intelligenz ist DER technologische Megatrend und wird unsere Lebenswelt massiv verändern. Technologie wird in Zukunft nahtlos und ergonomisch in unser Leben „embedded“ sein. Dabei ist künstliche Intelligenz schon jetzt im Alltag angekommen, oft bemerken wir gar nicht, dass wir KI nutzen. 

Schon jetzt schafft Digitialsierung eine Umwandlung von Produkten in Services, KIs werden diese Services vernetzensich hin zu umfassenden und individuellen Alltagshilfen entwickeln. Marketing wird eines der ersten Felder sein, in denen KIs Services bündeln und automatisieren. Doch welche Bereiche lassen sich nicht an den Algorithmus auslagern? Die große Aufgabe für Marketing wird es sein, Bedeutung zu generieren, sprich Value, Relations Engagement. Machines are for answers, Humans for questions.

Blockchain ist mehr als nur Bitcoin

Blockchain ist derzeit allgegenwärtig und auch auf der re:publica führt kein Weg an diesem Thema daran vorbei. Blockchain ist jedoch nicht auf Transaktionen mit Kryptogeld beschränkt. Durch so genannte Smart Contracts können Blockchain-Transaktionen programmiert werden, womit sich Transaktionen aller Art dezentral durchführen lassen. Das Anwendungsgebiet kann hier von Grundbüchern über digitale Identitäten, das Verfolgen von Postsendungen, die Vermietung von Zimmern oder Computerleistung bis hin zur Abwicklung beliebiger Verträge reichen.

"Es ist mehr als ein Hype, es ist wirklich gefährlich"

Daten sind gefährlich!

Ein besonderes Highlight war der Auftritt von Chelsea Manning. Die frühere US-Soldatin und Whistleblowerin hält uns bei ihrem Auftritt vor Augen, dass staatliche und wirtschaftliche Organisationen immer mehr Daten sammeln – die von Algorithmen gelesen und analysiert – die Privatsphäre und die Gesellschaft als Ganzes gefährden. "Es ist mehr als ein Hype, es ist wirklich gefährlich", sagt die verurteilte US-Amerikanerin. Sie fordert Programmierer auf Verantwortung für ihre digitalen Kreationen zu übernehmen. Zudem prangert sie Facebook und Google an, dass sie Entscheidung nicht auf Maschinen abwälzen können, sondern selbst die Verantwortung übernehmen müssen. Schließlich seien solch gewaltigen Systeme nie neutral, sondern repräsentierten immer die Vorurteile derjenigen, die sie entwickelten.


Wer noch mehr Insights zum Thema erhalten möchte, besucht uns in unserem r gp Headquarter oder schreibt uns eine kurze Nachricht. Denn auch wenn die Welt sich immer schneller dreht, eines bleibt gewiss: Ein Kaffe bei uns ist immer gratis, aber niemals umsonst!